CORRECTIV.Lokal Konferenz 2026

Kleine Gerichte, große Geschichten: Warum Amtsgerichte eine Goldgrube sind
17.10.2026 , Raum 4: Recherche

Kleine Gerichte, große Geschichten: Warum Amtsgerichte eine Goldgrube sind


Amtsgerichte sind eine Fund- und Goldgrube für Lokaljournalisten. Es gibt kaum einen besseren Ort, an dem sich Reporterglück aufgrund der dort vielen ausgetragenen Konflikte erzwingen lässt. Gleichzeitig bietet er seltene, manchmal auch intime Einblicke, die ein Journalist sonst auf Anhieb nirgends bekommt. Während sich Landgerichte häufiger mit schweren, öffentlichkeitswirksamen Straftaten wie Mord und Totschlag beschäftigen, verhandeln die Richter am Amtsgericht vor allem Delikte des täglichen Lebens: Betrug, Körperverletzung, Diebstahl. Mit journalistischem Gespür, dem richtigen Netzwerk, Neugierde, Fleiß und Durchhaltevermögen können aus vermeintlich kleinen Fällen große Lokalgeschichten entstehen. Sieben bis zehn solcher Beispiele möchte ich in meinem Vortrag zeigen. Es geht um Sexualdelikte, Jugendkriminalität, Reichsbürger, Drogenlabore oder auch Verfahren, die erst zum Ausgangspunkt für weitere Recherchen wurden. Im Vortrag soll auch vermittelt werden, wie man solche Trüffel findet, worauf es ankommt, was es zu beachten gilt, weshalb man auch mal Pech haben kann, aber dennoch seine Chefs vom Gang ins Gerichtszentrum überzeugen sollte.

Ilja Regier hat bereits in Russland, Ukraine, Belarus, Polen sowie der Republik Moldau recherchiert und schrieb dazu für unterschiedliche Medien. Er hatte erst vor, Auslandskorrespondent zu werden. Inzwischen fühlt er sich im „Lokalen“ wohler. Seit vier Jahren arbeitet er als Redakteur fürs Mindener Tageblatt. Er sitzt regelmäßig in Gerichtssälen, recherchiert unter anderem zu Reichsbürgern, Neonazis, Salafisten, anderen extremen Gruppen, Kriminalität und lokalen Aufregern.