Wie uns digitale Souveränität mehr Kontrolle über unseren ökologischen Fussabdruck gibt
Welche Folgen hätte es für die Umwelt, wenn die Schweiz digital souverän würde? Schweizerische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind derzeit stark von ausländischen Cloud-Diensten und KI-Modellen abhängig. Doch welche ökologischen Folgen hat diese Abhängigkeit und wie würde mehr digitale Souveränität diese verändern? In unserem Beitrag entwickeln wir ein Szenario, wie das «Onshoring» von digitalen Dienstleistungen die Umwelt in der Schweiz und den ökologischen Fussabdruck der Schweiz im Ausland verändern würde. Wir argumentieren, dass trotz der Vor- und Nachteile für die Umwelt eines ausser Frage steht: Mehr digitale Souveränität bedeutet, mehr Kontrolle über den eigenen ökologischen Fussabdruck. Die Schweiz sollte die digitale Souveränität als Chance nutzen, Verantwortung für den eigenen ökologischen Fussabdruck zu übernehmen.
Schweizer Unternehmen und öffentliche Einrichtungen verwenden eine Vielzahl von Cloud-Lösungen und integrieren zunehmend KI-Anwendungen (LLMs) in ihre operativen Abläufe, die von ausländischen, insbesondere US-Anbietern, stammen. Dieses Problem der Abhängigkeit bei IT-Dienstleistungen wird in Europa unter dem Sammelbegriff der «digitalen Souveränität» intensiv diskutiert. Sowohl Unternehmen als auch öffentliche Einrichtungen werden sich zunehmend der Risiken bewusst, die mit der Speicherung ihrer Daten in ausländischen Jurisdiktionen oder von Unternehmen, die im Zweifel ausländischen Gesetzen folgen, einhergehen.
Allerdings bleiben in der aktuellen Debatte häufig die ökologischen Aspekte unbeachtet, die mit der Verlagerung digitaler Dienstleistungen ins Ausland einhergehen – beispielsweise durch die Verwendung und das Training grosser Sprachmodelle. Wenn IT-Dienstleistungen an ausländische Firmen ausgelagert werden, bedeutet das immer auch dass damit verbundenen Umweltbelastungen nicht mehr im Inland, sondern im Produktionsland anfallen. Diese Umweltauswirkungen sind beispielsweise Treibhausgasemissionen und Umweltverschmutzung bei der Stromerzeugung für Datencenter, die Landnutzung, der Wasserverbrauch oder die Lärmemissionen, welche Mensch und Natur belasten. Besonders für die Schweiz ist das Thema der Auslagerung von Umweltbelastungen relevant, da die Schweiz, wie andere wohlhabende Staaten, den Grossteil ihrer Umweltbelastungen ins Ausland verlagert (Presberger & Bernauer 2023, Presberger et al. 2023).
In unserem Beitrag schauen wir uns die Verlagerung der Umweltauswirkungen durch die Schweiz genauer an. Darauf aufbauend, entwickeln wir ein Szenario, welche Folgen mehr digitale Souveränität (zum Beispiel durch «Onshoring») für die Umwelt im Ausland und in der Schweiz hätte. Unser Fazit: Mehr digitale Souveränität gibt uns mehr Kontrolle darüber, wie wie mit der Umwelt umgehen möchten. Die Schweiz hätte es stärker selbst in der Hand, welchen Fussabdruck sie hinterlassen möchte. In Anbetracht, dass das politische System der Schweiz viele Wege der politischen Teilhabe ermöglicht, sind wir der Meinung, dass umweltverträgliche IT-Dienstleistungen in der Schweiz tendenziell besser bereitgestellt werden können als im Ausland. Unser Beitrag soll eine Debatte über die Vor- und Nachteile der Verlagerung digitaler Dienstleistungen im Schweizer Kontext anstossen.
David Presberger ist Politikwissenschaftler und Aktivist im Bereich Umwelt und digitale Nachhaltigkeit. Seine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich Open Source, digitale Souveränität, Teilhabe der Zivilgesellschaft an digitalen Prozessen und die Stärkung kleiner und mittelständischer Unternehmen gegenüber grossen IT-Unternehmen. David Presberger hat an der ETH zur Verlagerung von Umweltbelastungen entlang internationaler Wertschöpfungsketten promoviert und engagiert sich in der Fachgruppe "digitale Souveränität" der digitalen Gesellschaft.