Software für alle – aber designed für wen? UX im öffentlichen Sektor als eigene Disziplin
Software im öffentlichen Sektor stellt besondere Anforderungen an User Experience. Bei Bürger:innen-Software bedeutet das: Barrierefreiheit als Rechtspflicht, verständliche Sprache statt Amtsdeutsch, und Nutzungsmomente, die oft in schwierigen Lebenssituationen stattfinden. Schlechte UX bedeutet hier nicht Frustration, sondern Ausschluss und untergräbt das Vertrauen in staatliche Institutionen. Bei Fachapplikationen in der Verwaltung bedeutet es: Beherrschbarkeit von Prozesskomplexität, regulatorische Rahmenbedingungen und kognitive Ergonomie für eine stundenlange Nutzung. Diese Session beleuchtet beide Welten anhand konkreter Beispiele aus dem Schweizer öffentlichen Sektor, fragt welche zusätzlichen Herausforderungen Open-Source-Lösungen mit sich bringen und diskutiert mit dem Publikum, was das für die eigene Praxis bedeutet.
UX im öffentlichen Sektor ist eine eigene Disziplin mit eigenen Massstäben.
Bei Software für Bürger:innen steht Inklusion im Zentrum, aber in einer Form, die weit über technische Barrierefreiheit hinausgeht. Staatliche Dienste werden häufig genau dann genutzt, wenn Menschen in belasteten Lebenssituationen sind. Fehler haben rechtliche und finanzielle Konsequenzen. Die UX muss das auffangen, mit verständlicher Sprache statt juristischen Formulierungen, mit Designs, die Fehler antizipieren und abfedern, und mit einem Vertrauensversprechen, das der Staat durch jede Interaktion entweder einlöst oder beschädigt. Studien gehen von bis zu 30% Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder speziellen Anforderungen an digitale Tools aus. Barrierefreiheit nach WCAG ist dabei nicht Kür, sondern gesetzliche Pflicht.
Bei Fachapplikationen für Verwaltungsmitarbeitende verschiebt sich die Herausforderung grundlegend: Hier geht es um komplexe Prozesse, die sich nicht vereinfachen lassen, weil die Realität komplex ist. Fachvokabular ist kein Problem, sondern Präzisionswerkzeug. Regulatorische Anforderungen sind keine Einschränkung des Designs, sondern Teil davon. Und kognitive Ergonomie für eine intensive Nutzung entscheidet darüber, ob Mitarbeitende am Ende des Tages erschöpft sind oder nicht. Shadow IT, also Excel-Spreadsheets und zunehmend persönliche, unregulierte KI-Nutzung, ist das sichtbarste Symptom, wenn das misslingt.
Die zweite Hälfte der Session gehört dem Publikum: Was sind eure Erfahrungen? Wo scheitert eine gute UX in euren Projekten und warum?
Zeilenwerk ist ein Berner Software Studio, das sich auf nutzerzentrierte Fachapplikationen für den öffentlichen Sektor und KMUs spezialisiert.