Virtuelle Erreichbarkeitsanalysen in KomMonitor zur sozialräumlichen Bedarfsplanung
21.03, 09:35– (Europe/Berlin), Hörsaal 3 (K0506/ Audimax 2)

Die Open-Source Software KomMonitor bietet Möglichkeiten zur Durchführung von Erreichbarkeitsanalysen auf Basis eines OSM-Netzwerks. Das integrierte Tool zur Berechnung von Erreichbarkeitsisochronen wurde nun um eine virtuelle Szenarienfunktion ergänzt. Diese unterstützt kommunale Fach- und Sozialplaner:innen bei der quantifizierten Analyse der Nahversorgung durch Infrastruktureinrichtungen in kleinräumigen Gebieten.


Die webbasierte Open-Source Software KomMonitor ermöglicht ein integriertes GIS-basiertes, raum-zeitliches Monitoring von Geodaten und Statistiken. Im Rahmen kommunaler Fachaufgaben trägt KomMonitor sowohl zur Beantwortung kleinräumlicher Fragestellungen in der Sozialplanung, als auch zur Entscheidungsunterstützung in der Stadtplanung und -entwicklung bei.

Ein wesentlicher Bestandteil von KomMonitor sind interaktive Tools zur gemeinsamen interaktiven Analyse und Visualisierung von Geodaten und zeitreihenbasierter Indikatoren. In einer Kartendarstellung sowie verschiedenen statistischen Diagrammen können Zeitreihenanalysen sowie räumliche und inhaltliche Vergleiche durchgeführt werden.

Ergänzt wird das Portfolio um Möglichkeiten zur Durchführung von Erreichbarkeitsanalysen. Basierend auf OpenStreetMap-Wegenetzen und der vom Heidelberg Institute for Geoinformation Technology entwickelten Open-Source Software openrouteservice können für selbst gezeichnete Punkte oder systemseitig integrierte Punktdatensätze on-the-fly Erreichbarkeitsisochronen berechnet werden. Für Planungsaufgaben lässt sich so z.B. visuell die Abdeckung des Stadtgebiets durch Infrastruktureinrichtungen innerhalb gewisser Schwellenwerte wie 15-minütiger fußläufiger Erreichbarkeit bestimmen.

Insbesondere die integrierte Sozialplanung hat ein besonderes Interesse daran, einen detaillierten Einblick in die Lebenslagen in Sozialräumen zu erhalten, um Angebote zur Steuerung von zielgerichteten, sozialräumlich angepassten und an Lebenslagen und Bedarfen orientierten Maßnahmen zu schaffen. Hierzu gehört zum Einen die Möglichkeit zur quantifizierten Analyse der Bedarfsdeckung in Sozialräumen hinsichtlich bestimmter sozialer Infrastruktureinrichtungen. Zum Anderen ist es notwendig, unterschiedliche Szenarien zur Standortplanung sozialer Einrichtungen hinsichtlich der Auswirkungen auf die soziale Versorgung der Bevölkerung miteinander vergleichen zu können.

Um diese Anforderungen zu adressieren, erfolgte eine umfassende Erweiterung der Erreichbarkeitsanalyse in KomMonitor:

  • Die Ergebnisse aus einer Erreichbarkeitsanalyse können genutzt werden, um quantifizierte Aussagen über die Versorgung der Bevölkerung in räumlichen Gebieten unter Berücksichtigung verschiedener Indikatoren treffen zu können (z. B. Anzahl der im Einzugsbereich lebenden Menschen eines POIs).

  • Die Erreichbarkeitsanalyse wurde um Funktionen ergänzt, die es erlauben, POIs interaktiv zu planen und für die Analyse von Erreichbarkeiten zu nutzen.

  • Erreichbarkeitsanalysen lassen sich als “Virtuelle Szenarien” anlegen und untereinander für verschiedene Planungsgrundlagen vergleichen.

  • Ergebnisse virtueller Planungsszenarien können in Template-basierte Reports eingebunden werden, um diese über PDF-Exports für Präsentationszwecke verfügbar zu machen.

Der vorliegende Beitrag möchte das Konzept der virtuellen Szenarienfunktion in KomMonitor anhand praktischer Beispiele vorstellen. Hierzu werden die Funktionsweise des Tools sowie Praxisbezogene Anwendungsfälle aus der integrierten Sozialplanung präsentiert.

Sebastian Drost ist Software Engineer für Geospatial Technologies beim Open-Source-Software Unternehmen 52°North in Münster tätig. Seine Schwerpunkte liegen insbesondere in der Entwicklung von modernen Geodateninfrastrukturen und im Bereich Spatial Data Science. Seit einigen Jahren ist er aktiver Entwickler des kommunalen Monitoring-Systems KomMonitor und unterstützt Kommunen beim operativen Betrieb von KomMonitor für die Stadt- und Sozialplanung.