25.03.2026 –, Posterausstellung
Das freie, quelloffene Routingsystem MOTIS wird im Rahmen des PriMa+ÖV Projekts erweitert, um die Einbindung von Taxis und privaten Mitnahmeangeboten in den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen. Damit es durch das Taxiangebot nicht zur Kannibalisierung am ÖPNV kommt, wird ein mehrstufiges, kostenbasiertes Widerstandsmodell eingesetzt. Der geometrische Ansatz ermöglicht die Visualisierung der Entscheidungen des Modells, erleichtert somit die Kalibrierung und stellt die Nachvollziehbarkeit sicher.
Durch die Integration von Taxis in den öffentlichen Verkehr (ÖV) können bisher nicht bediente Orte auf der ersten und letzten Meile angebunden, Taktlücken geschlossen sowie die Versorgung in den Tagesrandzeiten verbessert werden. Im Rahmen des PriMa+ÖV Projekts wird das freie und quelloffene Routingsystem MOTIS erweitert, so dass zusätzlich zum Angebot des ÖV auch Verbindungen gefunden werden, die teilweise oder vollständig durch Taxis der am Projekt beteiligten Taxiunternehmen realisiert sind.
Eine Filterung der gefundenen Taxiverbindungen ist notwendig, damit der ÖV nicht durch die Taxiverbindungen kannibalisiert wird. Ob eine Taxiverbindung angeboten werden soll, hängt vom ÖV-Angebot auf der Strecke und dem zeitlichen Zusammenhang ab. Eine Taxiverbindung kann durch ausreichenden zeitlichen Abstand oder durch einen deutlichen Reisezeitvorteil im Vergleich zu den Alternativen des ÖV erwünscht sein, oder durch eine Kombination beider Aspekte. Eine weitere Anforderung an das Modell ist, dass in den Tagesrandzeiten großzügiger mit Taxiverbindungen umgegangen werden soll, da durch die Lücke zwischen den Betriebstagen keine frühere bzw. spätere ÖV-Verbindung existiert.
Um unerwünschte Taxiverbindungen aus den Ergebnissen zu filtern, wird ein mehrstufiges, kostenbasiertes Widerstandsmodell mit einem geometrischen Ansatz verwendet. Jede ÖV-Verbindung trägt eine Kostenfunktion zur Kurvenschar des ÖV bei. Alle Taxiverbindungen, deren Kosten über der unteren Einhüllenden dieser Kurvenschar liegen, werden aus den Ergebnissen entfernt. Analog wird für die verbleibenden Taxiverbindungen die untere Einhüllende gebildet und alle Taxiverbindungen mit höheren Kosten entfernt. Durch die Dämpfung lokaler Maxima der Einhüllenden zwischen den Verbindungen wird in den Kernzeiten eine strikte Filterung bei vorhandenem Takt erreicht. Gleichsam bleibt eine erhöhte Permissivität in Tagesrandzeiten erhalten. Unter Verwendung von linearen Kostenfunktionen können die Anforderung der Projektpartner erfüllt werden. Das Modell ist aber nicht auf lineare Funktionen beschränkt. Außerdem erlaubt der geometrische Charakter des Modells eine unkomplizierte Visualisierung, um die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen des Modells stets zu gewährleisten.
Zur Kalibrierung des Modells werden Verbindungsmengen aus echten Routinganfragen gesammelt und die Verbindungen als erwünscht oder unerwünscht klassifiziert. Das Modell wird auf die Verbindungsmengen angewandt und die Ausgabe ausgewertet. Für Verbindungsmengen, bei denen nicht die gewünschte Klassifizierung erreicht wurde, werden die Verbindungen, die Modellentscheidung und die Anforderungsverletzung visualisiert. Entsprechend der Darstellungen kann eine Anpassung der Modellparameter vorgenommen und die Auswertung daraufhin wiederholt werden. Durch diesen Prozess ist eine praxisnahe Kalibrierung möglich. Die Kostenträger können präzise zwischen Angebotsverbesserung und Kostenkontrolle abwägen.
Moritz Fischer studierte Informatik an der TU Darmstadt und ist aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Algorithmik. Im Fokus seiner Arbeit stehen Routingalgorithmen für den öffentlichen Verkehr. Er ist an der Entwicklung des quelloffenen Routingsystems MOTIS beteiligt.