Analyse von OSM-Daten ohne GIS anhand von Beispielen im öffentlichen Verkehr
26.03.2026 , Posterausstellung

Der Vortrag zeigt eine Möglichkeit, Daten aus OSM nach CSV zu exportieren, so dass sie sich in allen gängigen Office-Programmen weiterverarbeiten lassen, ohne dass ein aufwändiges GIS notwendig ist. Dabei können räumliche Selektionskriterien über Overpass API berücksichtigt werden, räumliche Objekteigenschaften wie Länge oder Fläche werden beim Export erzeugt. Skizziert werden einige Anwendungsfälle bei der Untersuchung der Erschließungswirkung öffentlicher Verkehrssysteme.


Openstreetmap stellt bekanntlich freie Geodaten zur Verfügung, die sich mit geographischen Informationssystemen tiefgehend analysieren lassen. Deren Installation, Wartung und Bedienung ist jedoch aufwändig, so dass sie im nicht-professionellen Umfeld oft nicht vorhanden sind. Der Vortrag zeigt eine Möglichkeit auf, Daten aus OSM nach CSV zu exportieren, so dass sie sich in allen gängigen Tabellenkalkulations- und Business-Intelligence-Programmen weiterverarbeiten lassen. Dabei können räumliche Selektionskriterien über Overpass API berücksichtigt werden; räumliche Objekteigenschaften wie Länge oder Fläche werden beim Export erzeugt.

Ausgangspunkt des Projektes war die Frage, ob es mittels einer Analyse auf OSM-Daten möglich sei zu überprüfen, ob eine Straßenbahnstrecke eher Wohn- oder Bürogebäude erschließt. Die Selektion der betreffenden Building-Objekte in einem definierten Umkreis rund um die Haltestellen erfolgte per Overpass-API. Nach dem Export aus OSM wurden sie mit Hilfe eines Skriptes in CSV umgewandelt. Dort wurde für jedes OSM-Objekt eine Zeile angelegt, während die Key-Werte der Objekte die Spalten bilden und die Values in den "Zellen" abgelegt wurden. Anhand der Koordinaten werden die Länge und für geschlossene Polygone auch die Fläche der Way-Objekte ermittelt und in der CSV-Datei abgelegt.

Zur Quantifizierung der Erschließungswirkung der Straßenbahnstrecke wurde die Geschossfläche ermittelt, die sich aus den in OSM vorhandenen Daten wie Grundfläche und Anzahl der Stockwerke ableiten lässt. Zur Abdeckung fehlender Angaben zur Stockwerksanzahl wurden geschätzte Rückfallwerte verwendet. Auch bei den Gebäudetypen zeigten sich Qualitätsprobleme, da zahlreiche Gebäude nur als building=yes ohne nähere Klassifizierung erfasst sind. Die Anzahl der detailliert erfassten Gebäude war für eine Analyse jedoch ausreichend und wurde durch eigenes Mapping nochmals verbessert. Im Rahmen des Vortrages sollen derartige Analysen für die Beispielstädte Luxembourg, Liège und Mainz gezeigt werden.

Die verwendete Methodik lässt sich auch auf andere Fragestellungen übertragen. Straßenbahnsysteme haben selten den Anspruch, das Stadtgebiet räumlich komplett zu erschließen. Bei Stadtbussystemen in Klein- und Mittelstädten ist diese Frage dagegen schon stärker im Fokus. Entsprechend lässt sich nun analysieren, welcher Anteil der gesamten Geschossfläche in einem Untersuchungsgebiet im Einzugsbereich der Stadtbushaltestellen liegt. Auch dies soll Rahmen des Vortrages anhand einiger Beispiele erfolgen.

Durch die freie Verfügbarkeit der Daten und einfache Verarbeitung auch in gängigen Office-Programmen eignet sich diese Methode auch für den Einsatz durch ehrenamtliche Fahrgast- und Verkehrsverbände. So lassen sich die unterschiedlichen Erschließungswirkungen verschiedener diskutierter Streckenvarianten für Straßenbahn oder Bus leicht vergleichen. Dies soll am Beispiel der verschiedenen kürzlich diskutierten Varianten zur Straßenbahnerschließung der Mainzer Neustadt demonstriert werden. Da in diesem frühen Planungsstand in der Regel nur über Linienführungen gesprochen wird und die Lage der einzelnen Haltestellen noch nicht feststeht, wird hilfsweise die Erschließung entlang der gesamten Strecke und nicht nur rund um die Haltestellen betrachtet. Diese ist somit natürlich nicht mit der Erschließungswirkung von Bestandsstrecken anhand der Haltestellen vergleichbar, jedoch wohl innerhalb der Trassenvarianten.

Dr. Christopher Kleinheitz studierte Geographie an der Universität Trier und promovierte dort zum Thema "Zeitliche Einführungsstrategieen für Angebotsverbesserungen im Öffentlichen Verkehr". Er ist seit 2008 bei Openstreetmap aktiv, haptsächlich im Bereich Openrailwaymap.