Vom Notizchaos zum AI Second Brain: Wie wird mit KI Wissensarbeit wirklich wirksam?
24.06.2026 , Construct
Sprache: Deutsch

Künstliche Intelligenz verspricht enorme Produktivitätsgewinne – und verschärft zugleich ein altes Problem der Wissensarbeit: zu viele Infos, zu viele Tools, zu wenig Fokus. Der Vortrag zeigt, wie persönliches Wissensmanagement im KI-Zeitalter neu gedacht werden kann: als „AI Second Brain“, das relevante Infos sammelt, verdichtet, verknüpft und in verwertbare Ergebnisse überführt.

Ausgehend von klassischen Ansätzen wie Zettelkasten, Getting Things Done, CODE und PARA wird gezeigt, wie KI-Tools wie ChatGPT, NotebookLM oder projektbezogene Assistenten und Read-it-later-Apps nicht als Spielerei, sondern als produktive Erweiterung des eigenen Denk- und Arbeitsprozesses genutzt werden können. Im Mittelpunkt stehen konkrete Prinzipien, Workflows und Fallstricke für Wissensarbeitende und lernende Organisationen.


Wir leben in einem paradoxen Moment der Wissensarbeit: Noch nie war der Zugang zu Wissen so einfach – und noch nie war es so schwer, aus Information Orientierung, aus Orientierung Entscheidung und aus Entscheidung Wirkung zu machen. Mit generativer KI wird dieses Spannungsfeld noch größer. KI kann Recherche, Strukturierung, Verdichtung und kreative Weiterverarbeitung enorm beschleunigen. Gleichzeitig drohen neue Formen von Informationsüberflutung, Tool-Hopping, Scheinproduktivität und kognitiver Bequemlichkeit.

Der Vortrag fragt: Wie kann persönliches Wissensmanagement im KI-Zeitalter wirklich funktionieren? Ausgangspunkt ist die klassische Herausforderung vieler Wissensarbeitender: spannende Artikel, Bücher, PDFs, Meetingnotizen, Ideen, Prompts und Projektdokumente landen an vielen Orten – aber zu selten dort, wo sie später wieder produktiv nutzbar werden. Der Vortrag zeigt, wie ein gutes KI-unterstütztes Second-Brain-System helfen kann, Infos nicht nur zu speichern, sondern in Denken, Schreiben, Entscheiden und Handeln zu übersetzen.

Dazu werden zentrale Prinzipien aus Zettelkasten, Getting Things Done, CODE und PARA kurz aufgegriffen und für das KI-Zeitalter weitergedacht: Was sollte weiterhin der Mensch leisten? Wo kann KI sinnvoll unterstützen? Wie kann man eigene Notizen, Highlights, Projektmaterialien und Wissensbestände so organisieren, dass KI daraus bessere Zusammenfassungen, Briefings, Ideen, Entscheidungsvorlagen oder nächste Schritte ableiten kann? Und wo liegen Grenzen – etwa bei Datenschutz, Qualitätssicherung, Halluzinationen, Bias oder der Versuchung, Denken vorschnell an Maschinen zu delegieren (Deskilling)?

Ziel ist ein realistischer Blick auf „AI for Work that Works“ im Kleinen: beim eigenen Umgang mit Wissen, Aufmerksamkeit und Produktivität. Teilnehmende nehmen drei Dinge mit: Ideen, wie persönliches Wissensmanagement im KI-Zeitalter aussehen kann; Ansätze für KI-gestützte Workflows zwischen Notizen, Dokumenten, Lese-Apps und Sprachmodellen; ein kritisches Mindset, um KI nicht als Ersatz für Denken, sondern als Verstärker guter Wissensarbeit zu nutzen.

Disclaimer: Der Vortrag basiert auf einem bereits gehaltenen längeren Impuls zu Personal Knowledge Management und KI an der Humboldt-Universität zu Berlin und wird für die lernOS Convention auf 25–30 Minuten plus Q&A verdichtet. Der Fokus liegt dabei stärker auf der Frage, welche KI-Anwendungen im persönlichen Wissensmanagement tatsächlich funktionieren – und was lernende Organisationen daraus für ihre Wissens- und Lernkultur ableiten können.

Dr. Patrick Gilroy ist seit Mai 2022 Referent für Künstliche Intelligenz und Bildung beim TÜV-Verband. Der promovierte Politikwissenschaftler war zuvor beim Stifterverband, der Helmholtz Gemeinschaft, der Hertie School of Governance und für verschiedene NGOs in Berlin, Brüssel und New York tätig.