21.05.2026 –, Kopernikus 2 Sprache: Deutsch
Vernetzte Medizinprodukte und cloudbasierte Softwarelösungen erweitern nicht nur medizinische Möglichkeiten, sie vergrößern auch die Cyberangriffsfläche erheblich. Mit der Verlagerung medizinischer Funktionen von Edge-Geräten in Cloud- und SaaS-Architekturen entstehen neue Risiken, die in klassischen Entwicklungs- und Betriebsmodellen häufig unterschätzt werden. Der Vortrag beleuchtet praxisnah die sicherheitsrelevanten Unterschiede zwischen Edge- und Cloud-Architekturen: Während lokale Systeme vor allem durch physische Zugriffe, unzureichendes Patch-Management oder fehlende Netzwerksegmentierung gefährdet sind, rücken bei Cloud-Lösungen API-Sicherheit, Identitätsmanagement und zentrale Infrastrukturen in den Fokus potenzieller Angriffe. Ein Schwerpunkt liegt auf SaaS als Medizinprodukt: Werden medizinische Kernfunktionen im Backend erbracht, wird die Cloud selbst zum kritischen Bestandteil des Produkts – und damit zum attraktiven Angriffsziel. Multi-Tenant-Umgebungen erhöhen zusätzlich das Risiko mandantenübergreifender Sicherheitsvorfälle. Weitere Fragestellungen betreffen Update-Mechanismen als potenzielle Achillesferse moderner Medizinsoftware: Remote-Updates und zentrale Rollouts bieten Effizienzvorteile, können jedoch bei unzureichender Absicherung zur Eintrittsstelle für Manipulation oder Schadcode werden.
Sebastian Wittor ist Projektleiter bei der BAYOOMED GmbH und verantwortet die Entwicklung von Medizinprodukten gemäß MDR Klasse I–III und FDA-Anforderungen. Er begleitet Unternehmen von der Produktidee über Entwicklung und Marktzugang bis zum Lebenszyklusende. Zudem leitet er die Cybersecurity-Team und ist für die Sicherheit der entwickelten Medizinprodukte über den gesamten Lebenszyklus hinweg verantwortlich, von Risikoanalyse und Schutzmaßnahmen bis hin zu Validierung und Inverkehrbringung.