Agile Systems Engineering? - Aber sicher!
21.05.2026 , Galilei 1
Sprache: Deutsch

In Unternehmen, die eingebettete cyber-physische Systeme (z. B. Medizintechnik) entwickeln, herrscht oft ein tiefer Konflikt: Einerseits prägen langsame Hardware-Zyklen und sequenzielles Denken die Kultur. Das Credo „get it right the first time“, führt vorab zu massivem Planungsaufwand, Silos und einer späten Systemintegration. Regulatorische Standards forcieren oftmals diese Kultur, da sie meist als Wasserfallmodell interpretiert werden. Dem gegenüber steht die Notwendigkeit, auf Marktveränderungen und Lieferkettenprobleme zu reagieren. Zudem erfordern innovative Produkte schnelles Feedback, um ihre Komplexität zu beherrschen. Agilität scheitert aber an den tief verwurzelten Prozessen, da für ihre Potentialentfaltung ein grundlegender Wandel in Prozess und Architektur benötigt wird.
Mein Vortrag destilliert aus der eigenen Projekterfahrung Ansätze, wie Agiles Systems Engineering gelingt:
Flexible Hardware-Architektur: Übertragung softwaregetriebener Anpassungsfähigkeit auf physische Systeme.
Unified System Models: Aufbrechen von Silos durch eine gemeinsame einfach zugängliche „Source of Truth“.
Agile Hardware-Praktiken: Übergang von Big Upfront Design zu schnellen Feedback-Loops auch für HW-Designs
Inkrementelle Compliance: Kontinuierlicher Aufbau der technischen Dokumentation während des Designprozesses.
Mit diesen Änderungen kann ein reaktionsschnelles Systems Engineering ermöglicht werden, dass regulatorische Standards nicht nur erfüllt, sondern lebt.

Dr. Tobias Kästner blickt auf mehr als 15 Jahre als Software- und Systemarchitekt in der Medizintechnik zurück. Seine Kernkompetenzen sind der Entwurf von Architekturen für komplexe System und ihre Rückkopplung auf die dafür notwendige Organisationsstruktur und die darin eingebetteten Entwicklungsprozesse. Er ist überzeugter Agilist und begreift Agilität und Compliance nicht als Widerspruch.