Das Ende der Fachverfahren-Ära? Wie KI, Automatisierung und Law as Code die öffentliche Verwaltung neu definieren
Die öffentliche Verwaltung steht vor einer fundamentalen Weichenstellung: Fachverfahren, jahrzehntelang das Rückgrat der IT-gestützten Verwaltungsarbeit, sehen sich mit einem wachsenden Ökosystem moderner Technologien konfrontiert – von KI-gestützter Automatisierung über Workflow-Engines bis hin zu paradigmatischen Ansätzen wie Law as Code und Register as a Service. Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur, wie Verwaltungsprozesse digitalisiert werden, sondern ob spezialisierte Fachverfahren überhaupt noch die richtige Antwort auf die Herausforderungen einer modernen, datengetriebenen Verwaltung sind.
Dieser Vortrag beleuchtet kritisch, welche Rolle Fachverfahren in einem zukünftigen Verwaltungsumfeld noch spielen – oder ob wir tatsächlich am Beginn ihres strukturellen Bedeutungsverlustes stehen. Entlang konkreter Entwicklungen aus Praxis wird darauf eingegangen, inwieweit Behörden durch den Einsatz von KI, Low-Code-Plattformen, automatisierten Entscheidungsprozessen und der Formalisierung von Recht als ausführbaren Code in der Lage sein werden, Verwaltungslogik selbst zu gestalten – ohne den klassischen Umweg über externe Softwareanbieter und proprietäre Verfahrenslösungen.
Der Vortrag richtet sich an Entscheidungsträger und IT-Fachleute im öffentlichen Dienst und lädt zur Diskussion ein: Programmiert sich die Verwaltung bald selbst – und wenn ja, zu welchem Preis?
Fachverfahren prägen seit Jahrzehnten die IT-Landschaft der öffentlichen Verwaltung. Sie bilden das operative Rückgrat für Meldewesen, Sozialleistungen, Baugenehmigungen, Steuerverwaltung und hunderte weitere Verwaltungsprozesse. Doch die technologische Entwicklung der letzten Jahre stellt diese bewährten Strukturen grundlegend in Frage.
Die neue Realität: Technologie überholt das Verfahren
Moderne Automatisierungsplattformen, KI-gestützte Entscheidungssysteme und Workflow-Engines ermöglichen es heute, komplexe Verwaltungslogik flexibel, schnell und ohne tiefe Programmierkenntnisse abzubilden. Gleichzeitig eröffnet der Ansatz Law as Code die Möglichkeit, rechtliche Normen direkt als ausführbare Logik zu formalisieren – und damit den Kern dessen, wofür Fachverfahren traditionell gebaut wurden, zu ersetzen oder zumindest radikal zu vereinfachen. Ergänzt durch Register as a Service und moderne DMS-Systeme als interne Plattformstrukturen entsteht ein neues Ökosystem, das die Frage aufwirft: Brauchen wir das klassische Fachverfahren überhaupt noch?
Der Vortrag arbeitet bewusst mit einer provokativen Grundthese, um eine ehrliche Debatte anzustoßen. Denn die eigentliche Gefahr liegt nicht darin, die falsche Antwort zu geben – sondern die Frage zu spät zu stellen. Während einige Verwaltungen bereits beginnen, Prozesse ohne klassische Fachverfahren zu betreiben, halten andere an gewohnten Strukturen fest, ohne die strategischen Alternativen ernsthaft zu prüfen.
Er ist bewusst nicht als abschließende Antwort konzipiert, sondern als strukturierter Impuls für eine Diskussion, die in jeder Behörde geführt werden muss – idealerweise bevor externe Anbieter oder technologische Sachzwänge die Entscheidung abnehmen.
Mit über 20 Jahren Erfahrung im öffentlichen Dienst der Stadt Nettetal und umfassender Expertise in der freien Wirtschaft bin ich Sachgebietsleiter des IT Service und Co-Leiterdes Bereichs eGovernment.
Meine Mission: Die digitale Transformation vorantreiben und die Verwaltung als modernes Dienstleistungsunternehmen gestalten. Dabei möchte ich neue Wege denken und die Zukunft der öffentlichen Verwaltung nachhaltig verändern
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