KIVA.arc: Referenzarchitektur für eine souveräne KI-Plattform der öffentlichen Verwaltung
Im Rahmen des Projekts KI4BW konzipiert und entwickelt das Innenministerium Baden-Württemberg die Referenzarchitektur „KIVA.arc“ für eine souveräne KI-Plattform in der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es, Entwicklungen von KI-Anwendungen zu standardisieren, eine vertrauenswürdige Infrastruktur für die Verarbeitung sensibler Daten zu schaffen und wiederkehrende technische Basiskomponenten zentral bereitzustellen. Um redundante Entwicklungen in verschiedenen Bundesländern zu vermeiden und das Einer-für-Alle-Prinzip (EfA) technisch zu ermöglichen, wird die Architektur vollständig auf der Bund-Länder-Plattform OpenCoDE als Open Source veröffentlicht. Dies schafft eine länderübergreifende Diskussions- und Entwicklungsgrundlage für den souveränen und skalierbaren KI-Einsatz im öffentlichen Sektor.
Viele Bundesländer treiben aktuell eigene KI-Entwicklungen voran, jedoch mangelt es häufig an einer gemeinsamen, standardisierten technischen Basis. Ohne eine solche Grundlage müssen Basiskomponenten immer wieder neu implementiert werden, was Ressourcen bindet und eine länderübergreifende Nachnutzung von Software nach dem EfA-Prinzip (Einer-für-Alle) erheblich erschwert. Um dieser Fragmentierung entgegenzuwirken, wurde im Rahmen des Vorhabens KI4BW die KI-Verwaltungsassistenz-Referenzarchitektur (KIVA.arc) entwickelt.
KIVA.arc ist als streng modulare, serviceorientierte Microservices-Architektur konzipiert, die die digitale Souveränität der Verwaltung konsequent in den Mittelpunkt stellt. Im Gegensatz zu Cloud-abhängigen Ansätzen ist die Plattform primär für den On-Premises-Betrieb ausgelegt, um sensible Verwaltungsdaten sicher in eigenen Rechenzentren verarbeiten zu können. Dabei setzt die Architektur priorisiert auf leistungsstarke Open-Source-KI-Modelle sowie quelloffene Softwarekomponenten. Durch zusätzliche Abstraktionsebenen und standardisierte Schnittstellen wird eine effektive Kapselung erreicht: Einzelne Komponenten und Modelle können autark entwickelt, zeitnah ausgetauscht und flexibel erweitert werden, ohne die Gesamtarchitektur zu beeinträchtigen (Vermeidung von Vendor-Lock-ins). Ganz im Sinne des „Einer-für-Alle“-Prinzips (EfA) wird die Architektur selbst als Open-Source-Referenzimplementierung auf openCoDE.de bereitgestellt, um redundante Entwicklungen zu vermeiden und Standardisierungen zu fördern.
Funktional ist die Plattform exakt auf die Anforderungen des öffentlichen Sektors zugeschnitten: Da die Verwaltungsarbeit stark dokumentengetrieben ist, bildet ein zentrales, vertrauenswürdiges RAG-System (Retrieval-Augmented Generation) ein wesentliches Kernelement. Flankiert wird dies durch gezielte technische Mechanismen zur Erkennung und Reduzierung von KI-Halluzinationen, um verlässliche Ergebnisse zu garantieren. Für den sicheren, behördenübergreifenden Betrieb integriert KIVA.arc zudem eine strikte Mandantenfähigkeit sowie eine feingranulare Nutzer- und Rechteverwaltung, die bestehende Zugriffsgrenzen auf Datenbestände strikt wahrt. Ein integriertes Usage-Tracking überwacht darüber hinaus den Token-Verbrauch, was sowohl der Kostenkontrolle als auch als Basis für zukünftige Verrechnungsmodelle dient.
Dr. Michael Wissen ist CTO und zentraler IT-Landesarchitekt der IT-Koordination im Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg. Dort bringt er seit Dezember 2017 seine Expertise sowie innovative Ansätze in die digitale Transformation des Landes ein. Als Architekt der KI4BW-Initiative spielt Dr. Wissen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Implementierung von Künstlicher Intelligenz innerhalb des öffentlichen Sektors. Er ist maßgeblich daran beteiligt, strategische Rahmenbedingungen zu schaffen und innovative KI-Lösungen zu gestalten, welche die technologische Souveränität der Verwaltung stärken und eine zukunftsfähige IT-Architektur etablieren.