Low-Code in der kommunalen Praxis: Ende-zu-Ende-Digitalisierung bei der Stadt Gütersloh

Die Stadt Gütersloh verfolgt mit dem Einsatz der Open-Source Low-Code-Plattform Rei3 einen strategischen Ansatz zur Ende-zu-Ende-Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. In Kombination mit der Formularlösung Formcycle werden Bürgeranträge medienbruchfrei digital erfasst und verarbeitet. Der Vortrag gibt einen praxisnahen Einblick in die Einführung der Plattform, die bisherigen Umsetzungserfahrungen sowie die geplante Erweiterung um Komponenten wie PDF-Generierung, DMS-Anbindung und Kassenschnittstellen. Ziel ist der Aufbau eines modularen Fachverfahrensbaukastens mit einfacher Nachnutzung als Alternative zu gewachsenen Insellösungen wie Access-Datenbanken, Excel-basierten Prozessen und papiergestützten Abläufen.


Die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen stellt viele Kommunen vor die Herausforderung, bestehende heterogene Systemlandschaften und manuelle Abläufe effizient zu modernisieren. Die Stadt Gütersloh hat sich im Jahr 2025 für die Einführung der Open-Source Low-Code-Plattform Rei3 der Lean Softworks GmbH entschieden, um eine flexible und nachhaltige Grundlage für die Entwicklung eigener Fachverfahren zu schaffen.

Auf Basis von Rei3 werden seitdem gezielt Anwendungen entwickelt, die Verwaltungsprozesse ganzheitlich digital abbilden. Ergänzt wird dieser Ansatz durch den Einsatz der Low-Code Formularserver-Lösung Formcycle, über die Bürgeranträge vollständig digital, medienbruchfrei und über offene Schnittstellen in die internen Prozesse integriert werden können.

Der Vortrag beleuchtet die praktische Umsetzung dieses Ansatzes und zeigt auf, wie durch die Kombination beider Systeme schrittweise ein modularer Fachverfahrensbaukasten entsteht. Ein besonderer Fokus liegt auf den geplanten Erweiterungen für das Jahr 2026, darunter:

  • ein Low-Code-basierter PDF-Creator zur Erstellung von Bescheiden, Anschreiben und Reports,
  • eine CMIS-basierte Schnittstelle zur Anbindung eines Dokumentenmanagementsystems zur automatisierten Ablage,
  • sowie eine Schnittstelle zum Kassensystem zur Integration von Zahlungsprozessen.

Ziel dieser Entwicklung ist es, bestehende Insellösungen wie Access-Datenbanken, Excel-basierte Austauschverzeichnisse sowie papier- und E-Mail-gestützte Prozesse schrittweise abzulösen und durch durchgängige digitale Workflows zu ersetzen.

Der Beitrag richtet sich an IT- und Digitalisierungsverantwortliche im öffentlichen Sektor und vermittelt praxisnahe Erfahrungen, getroffene Architekturentscheidungen sowie erste Erkenntnisse aus der Umsetzung eines Low-Code-basierten Ansatzes in einer kommunalen Verwaltung.

Pascal Stewin (Stadt Gütersloh)

Pascal Stewin ist seit 2024 im Bereich Digitalisierung bei der Stadt Gütersloh tätig. Zuvor war er von 2015 bis 2021 als Landesbeamter in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen im Finanzamt mit dem Schwerpunkt Außensteuerrecht im mittleren Dienst beschäftigt.

Im Anschluss absolvierte er von 2021 bis 2024 ein Studium der Verwaltungsinformatik bei der Stadt Gütersloh. Seit seinem Einstieg in die kommunale Verwaltung verantwortet er die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen mit einem Fokus auf Low-Code-Entwicklung.

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Einführung und Weiterentwicklung der Open-Source Low-Code-Plattform Rei3, die Implementierung der Formularlösung Formcycle sowie die Einführung von OpenProject. Darüber hinaus entwickelt er als Low-Code-Entwickler Fachanwendungen zur Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und integriert dabei auch OZG- und EfA-Dienste in bestehende Abläufe.