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Smartphones und linke Protestkultur - ein Widerspruch?
2020-12-30, 16:30–17:25 (Europe/Berlin), OIO/A:F Bühne

Lange Zeit galt die Verwendung von Smartphones in der linken Szene als verpönt. Zu groß die diffuse Angst, mit einer "Wanze in der Tasche" herumzulaufen und im Fall einer Beschlagnahme sensible Informationen den Behörden preiszugeben. Insbesondere von der Demoteilnahme mit Smartphone wird auch heutzutage noch in den allermeisten Ratgebern dringend abgeraten.

Doch die Realität sieht inzwischen anders aus. Große Teile der linken Szene sind mittlerweile in Besitz eines mobilen Endgerätes, die Organisation und Berichterstattung von Demonstrationen laufen wie selbstverständlich über Messenger-Apps und Social-Media-Kanäle. Auch die Möglichkeit der unmittelbaren Dokumentation von Polizeigewalt hat sich zu einem wirksamen politischen Druckmittel entwickelt, sei es im Falle von George Floyd in den USA oder der Räumung von linken Szeneobjekten hierzulande.

Wie können wir mit diesem Widerspruch umgehen? In diesem Vortrag möchten wir einerseits anhand konkreter Beispiele aufzeigen, welche tatsächlichen Gefahren Smartphonebesitzer:innen in der linken Szene drohen. Welche Spuren hinterlasst ihr bei der Demoteilnahme, was passiert bei einer Beschlagnahme, wie groß ist die Gefahr, dass euer Smartphone tatsächlich infiziert wurde? Wir werden kurz entsprechende Konzepte zur digitalen Selbstverteidigung vorstellen.

Andererseits möchten wir diskutieren, welche neuen Möglichkeiten die kreative Verwendung von Smartphones im Rahmen linker Protestkultur eröffnet (Kommunikation unter widrigen Umständen, dezentrale Aktionen wie Schnitzeljagden und Sitzblockaden, unmittelbare Öffentlichkeitsarbeit), und wie Veranstaltende durch entsprechende Vorbereitung (Workshops im Vorfeld, Bereitstellung offener WiFis am Demotag, Infopoints mit QR-Codes, Vermeidung klassischer Telefonie/SMS) die Gefahren der Smartphonenutzung minimieren können.


Lara Mandelbrot und Alexander Förstel sind Teil von resist.berlin, einem Berliner Technikkollektiv, welches Workshops, individuelle Beratung und Hardware für linke Gruppen anbietet. Wir sind seit April 2018 "mittendrin, statt nur dabei" und können Erfahrungen aus erster Hand weitergeben.