Bridging the gap: learning processes in analog, hybrid and digital formats

[Stream] Zur didaktischen Innovation digitaler Prüfungen
10-10, 11:30–12:00 (Europe/Berlin), Bamberg U7/01.05 - Hörsaal
Language: Deutsch

Das Grundproblem digitaler Prüfungen kann in didaktischer Hinsicht als multidimensional beschrieben werden. Zu nennen sind hier die konkreten Umsetzungen in rechtlicher, formaler und technischer Hinsicht und die didaktische Sphäre im engeren Sinne. Didaktik i.e.S. meint, welche Auswirkungen und Implikationen eine Prüfung mit sich bringen muss, die auf ein digitales Format umgestellt wird. Hierbei ist zu fragen, ob digitalisierte Prüfung einfache Substitutionen sind und daher zu einer weiteren Datenerhebung führen (die aber ohnehin schon vorgenommen wird, siehe Ergebnisse von Prüfungen) oder sogar zu einer automatisierten Kontrolle oder weiterhin eine Neuformulierung von Prüfungen selbst darstellen (Bedenlier et al. 2021, 30ff.)
Die didaktische Chance liegt fraglos in der Neufassung des Prüfungsformates und der Prüfungsform. Allein die Auswahlmöglichkeit „digital“ ermöglicht neue didaktische Überlegungen zu summativen oder formativen Prüfungen, die intensiv didaktisch begleitet werden müssen und durch die gedachte didaktische Handreichung unterstützt wird. Didaktische Beratung kann hier im Sinne des Constructive Alignment (Biggs 1996, 360) wirksam werden, denn die Frage nach der „richtigen“ Prüfungsart für die maßgeblichen Inhalte stellt sich neu und verschärft: Wenn digitale Prüfungen aus didaktischer Sicht keine reine Kosten- und Zeitersparnis sein sollen, sondern auch neue didaktische Initiativen ausloten soll, dann ist es unabdingbar über die vielfältige Neuschöpfung von Prüfungsformaten jenseits des „Klausuren-Hausarbeits-Schema“ nachzudenken. Denkbar sind hier vor allem die Stärkung von Sozial- und Kollaborationskompetenzen (Portfolios), kritischen Nachdenken (Kurzessays), Selbstüberprüfungskompetenzen (digitale Auswertung), Kritikfähigkeit (peer-review-Verfahren) und generell Prüfungsformen, die sich direkt an der späteren intendierten beruflichen Praxis orientieren.
Zielstellung der Bewerbung ist es, in einem Werkstattbericht sowohl den Reformprozess in der ganzheitlichen Umstellung auf digitale Prüfungsformate an der HSG zu präsentieren, die didaktischen Implikationen abzuleiten und schlussendlich die daraus entstandene didaktische Handreichung zu diskutieren. Hierbei sind einige Fragen offen, sowohl in Bezug auf die didaktischen Dimensionen der Prüfungen in hochschuldidaktischer Hinsicht (Digitalität, Sozialität, Kompetenzorientierung, Gütekrterien, Aufwand) wie auch in der generellen Vergleichbarkeit von solchen Transformationsprozessen in Hinblick auf andere Universitäten im deutschsprachigen Raum.
Die Vorstellung versteht sich daher als evidenzbasierter Best-Practice-Bericht, der entweder in Kurz- oder Landvortrag präsentiert werden kann, zumal bis Oktober weitere empirische Ergebnisse zur Umsetzung der digitalen Prüfungsformen präsentiert werden können.