Das Sprechen über (Un)Möglichkeiten
2019-09-20, 15:45–16:30, GD 03/150

Der Vortrag greift das Thema der beruflichen Orientierung auf, die erfolgt, wenn außerhalb Deutschlands erworbene Berufe oder Berufsqualifikationen keine bzw. nur eine Teilanerkennung erhalten.

In den Sozialwissenschaften wird längst nicht mehr davon ausgegangen, dass Erwerbsverläufe stets kontinuierlich verlaufen. Die Vorstellung des einen Berufs für das Leben kollidiert mit einem Trend des individuellen Zuschnitts von Berufstätigkeit - das subjektive Verhältnis zu der Berufsbiografie stellt sich damit als eines heraus, das der ständigen Aushandlung um Anerkennung unterlegen ist und an dem u.a. Institutionen des Arbeitsmarktes, die erfahrenen und eingeschätzten Realbedingungen und normative Orientierungsanforderungen mitwirken.

Frauen*, die im Ausland einen Berufsabschluss oder berufliche Qualifikationen erworben haben, stellen in diesem Feld eine besondere Gruppe dar: Sie stehen in Deutschland einem Arbeitsmarkt gegenüber, der sich u.a. durch ein streng nach Qualifikationen geregeltes Berufswesen auszeichnet und für im Ausland erworbene Qualifikationen eine Prüfung der Gleichwertigkeit vorsieht, die nicht immer gelingt. Und schließlich wird ein Wechsel in Branchen, die sich durch einen Fachkräftemangel auszeichnen, nicht selten als ein Zukunftsversprechen propagiert.

Am Beispiel von den Erzählungen von Frauen*, die über einen ausländischen Berufsabschluss verfügen und nun im pädagogischen oder sozialen und pflegerischen Bereich tätig werden wollen, wird untersucht, welches Verhältnis im Sprechen zu der idealen Berufsbiografie eingenommen wird: Wie werden Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Tätigseins im Sprechen sichtbar gemacht und verhandelt? Und kann eine berufliche Selbsterfindung jenseits oder auch trotz der Arbeitsmarkt–„Wahrheiten“ gelingen?