Wie kommt die Vielfalt in die Stadt?
2019-09-20, 15:00–15:45, HGD 20

Diese Masterarbeit ist eine vergleichende rekonstruktive Fallstudie über den Umgang sozialer Einrichtungen mit der Diversität in Berlin. Anhand zweier Einrichtungen in den Stadtteilen Kreuzberg und Steglitz zeichne ich die Wechselwirksamkeit zwischen der Gemeinwesenarbeit und den städtischen Räumen nach. Dabei kann ich zeigen, dass Haupt- und Ehrenamtliche sich und die Teilnehmer bewusst positionieren, um Räume zu gestalten und dabei Handlungsweisen folgen, die aus einer je eigenen Logik des Bezirks begründet werden.


(Wie) ist Inklusion im städtischen Raum möglich? Mit dieser Frage sehen sich öffentliche soziale Einrichtungen wie etwa Familienzentren oder nachbarschaftliche Begegnungsorte zunehmend konfrontiert. Auf der einen Seite erhöht sich durch gesellschaftliche Transformationsprozesse wie Individualisierung und Migration für sie der Druck, inklusiv und integrativ, kurz: für alle Menschen da zu sein. Auf der anderen Seite wirken lokale urbane Räume mit städtischen Selbstverständnissen auf die Ziele der Einrichtung zurück.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, an zwei Fallbeispielen den Einfluss durch soziale Einrichtungen auf den städtischen Raum in Berlin zu untersuchen. Dies soll durch die Frage geschehen: Wie die Räume der Einrichtungen eine vielfältige Teilhabe ermöglichen und damit dazu beitragen, dass sich Bewohner*innen den städtischen Raum erschließen. Dazu strebe ich die Untersuchung eines Familienzentrums in Steglitz und eines Begegnungszentrum in Kreuzberg an. Diese werden in ihrer räumlichen Position mit Hilfe von Techniken des Urban Design kartiert, die nähere Umgebung sowie das Interieur werden fotografisch ausgewertet und die beteiligten Personengruppen interviewt. Mit der Raumsoziologie von Martina Löw werden die Daten ausgewertet.

Meine These lautet, dass soziale Einrichtungen eine wertvolle Rolle dabei spielen, die Bewohner*innen ihres Umfeldes in Beziehung zu setzen. Aber ebenso wie sie Bewohner*innen einbinden, ergeben sich auch Barrieren für andere. Die Einrichtungen nehmen häufig Bezug auf integrative oder inklusive Narrative, können den Ansprüchen aber nie vollständig gerecht werden. Dies wird in der Untersuchung kritisch betrachtet, da die Einrichtungen in ihrer Zielsetzung und räumlicher Konstitution oft sehr spezifisch angelegt sind. Damit wird eine allgemeine Ansprache der Anwohner*innen verhindert. Es soll gezeigt werden wie die Leitbilder der Organisationen an ihren Standorten spezielle Positionen beziehen und damit eine umfassende und vielfältige Teilnahme von Anwohner*innen anstreben und gleichsam verhindern. Außerdem wird gezeigt, wie dieses Handeln einerseits vom räumlichen Umfeld geprägt und andererseits in das räumliche Umfeld übertragen wird.