‚Brasilien über alles, Gott über Allen‘
2019-09-21, 17:15–18:00, GD 04/620

Verschiedenes Material der Präsidentschatskampagne von Jair Bolsonaro 2018 in Brasilien wird aus einer intersektionalen Perspektive auf Ausschlüsse und Grenzziehungen hin untersucht und in transnationale Zusammenhänge eingeordnet. Dadurch entsteht ein Bild von Bolsonaros angestrebter Gesellschaftsordnung und deren Feindbildern - von der sogenannten 'Gender–Ideologie' über Umwelt–Verbände bis hin zu einer angeblichen sozialistischen Weltverschwörung.


In Brasilien spielt der Prozess des Nation–Buildings eine zentrale Rolle. Von der ‘Rassendemokratie’ über das ‘Land der Zukunft’ bis zum ‘Land für Alle’ - die Bemühungen das riesige Land mit seiner sehr heterogenen Bevölkerung zu vereinen, fanden unter den verschiedensten, symbolisch aufgeladenen Parolen statt. Diese Konzepte prägen Brasiliens nationale Identität bis heute und bestimmen oft die Wahrnehmung der großen sozio-ökonomischen Differenzen im Land.

Im Oktober 2018 wurde, nach einer lang anhaltenden wirtschaftlichen und politischen Krise sowie einem rücksichtslosen Präsidentschaftswahlkampf, mit Jair Bolsonaro ein rechtsextremer Populist zum neuen Präsidenten Brasiliens gewählt. Unter dem Motto ‚Brasilien über alles, Gott über allen‘ versprach er in Zukunft für die Mehrheit der Brasilianer*innen zu regieren und nicht für die Minderheiten, wie es bis jetzt der Fall gewesen sei. Dabei werden unterschiedliche Gruppen, wie LGTB-Aktivist*innen, Feminist*innen und Sozialist*innen, immer wieder explizit in das Zentrum seiner Kritik gestellt. Diese müssten sich von nun an entweder der Mehrheit beugen oder sie würden aus dem Land verschwinden.

In der Präsentation wird dieses rechtspopulistische Nation–Building anhand von Reden, Werbespots und Infomaterial aus dem Präsidentschaftswahlkampf analysiert. Das Material wird dabei auf seine Ausschlüsse, Grenzziehungen und diskursiven Bezüge hin untersucht, sodass ein Bild der von Bolsonaro angestrebten Gesellschaftsordnung entsteht. Dabei wird auch immer wieder auf Differenzen und Gemeinsamkeiten zu rechten populistischen Bewegungen in Europa und den USA hingewiesen. Dies erlaubt ein differenzierteres Bild des globalen Rechtspopulismus zu zeichnen, die Entwicklungen in Brasilien auch in transnationale Zusammenhänge einzuordnen und eurozentristische Annahmen zu hinterfragen.